Haus Dittrich
Haus Dittrich
Bis 1967 stand hier ein Fachwerkhaus unbekannten Alters. Von 1920-1935 gehörte es der halbjüdischen Familie Dittrich. Hier wohnte der Kaufmann Alfred Dittrich aus Hannover mit seiner Frau Thekla, einer geborenen Katz, Schwester des jüdischen Tuchhändlers Isaak Katz aus Westheim mit den Kindern Ruth und Erwin. Die Kinder besuchten die evangelische Volksschule in Westheim und fuhren zum Religionsunterricht zu Herrn Meyerhoff, Lehrer an der jüdischen Schule in Niedermarsberg.
Alfred Dittrich war Vertreter für Zigaretten und Süßwaren. Mit seinem Kleinwagen der Marke Dixie besuchte er die auswärtige Kundschaft. Da er das Geld für die Batterie des Anlassers sparte, mussten die Nachbarskinder den Wagen vor jeder Fahrt anschieben, und bekamen dafür einen Riegel Schokolade geschenkt.
Thekla Dittrich hatte ein Gewerbe angemeldet und betrieb seit Anfang der 30er Jahre ein Einzelhandelsgeschäft für Tabakwaren, Süßwaren und Südfrüchte im Wohnzimmer dieses Hauses. So gab es z.B. Zigaretten der Marke Eckstein für 50 Pfennig wie sich Zeitzeugen erinnern. Wenn ein Kind etwas kaufte, gab es noch eine Kleinigkeit dazu.
Nach 1930 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage und es kam 1935 zur Zwangsversteigerung. Die Familie konnte als Mieter aber zunächst weiter dort wohnen. Als Alfred Dittrich schwer erkrankte und im Jahr 1937 starb, war Thekla Dittrich ohne Schutz eines „arischen“ Mannes. 1938 mussten sie das Haus verlassen, zogen in das Haus „Stamm“ und bewohnten dort zwei Zimmer. 1939 wurden sie Opfer der Judenpogrome. Im März 1943 wurden Thekla Dittrich sowie ihr Sohn Erwin verhaftet und in das KZ Theresienstadt deportiert, in dem sie im August 1944 starb. Ihr Sohn überlebte in einem Arbeitslager und emigrierte nach dem Krieg in die USA.
Nach der Zwangsversteigerung 1938 kaufte der Eisenbahner Heinrich Fleckner das Haus von der Sparkasse und baute es mehrfach um. 1967 erfolgten der Abriss und der Neubau des jetzigen Hauses.

























